Bergung eines Asteroiden

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

Eine Aufnahme des Asteroiden Tempel 1, aufgenommen während des Besuchs von Deep Impact. Tempel 1 hat einen Durchmesse von etwa fünf Kilometern. CfA-Astronomen haben die Größe des kleinsten vermessenen erdnahen Asteroiden, 2009 BD, auf nur etwa drei Meter geschätzt, vermutlich zu klein, um für die von der der NASA geplante Bergungsmission eines Asteroiden von Nutzen zu sein. NASA / JPL-Caltech / UMd

Asteroide (oder Kometen), deren Bahnen sie dicht an die Bahn der Erde heranführen, werden erdnahe Objekte (Near Earth Objects = NEOs) genannt. Einige von ihnen sind alt, stammen aus den Anfängen des Sonnensystems von vor etwa viereinhalb Milliarden Jahren und sollen reich an primitiven Materialien sein. Sie sind von großem Interesse für Wissenschaftler, die das junge Sonnensystem erforschen. Andere Asteroide, die von geringerer wissenschaftlicher Bedeutung sind, enthalten vermutlich Mineralien von potenziell wirtschaftlichem Wert.

Die NASA hat angekündigt, eine bemannte Mission zu einem erdnahen Objekt zu schicken. Der Entwurf der Asteroid Robotic Retrieval Mission der NASA sieht das Einfangen eines Asteroiden und das Schleppen auf eine neue Bahn vor, die ihn im Erde-Mond-System gefangen hält, wo er durch Astronauten weiter untersucht werden wird. Die gegenwärtige Missionsplanung verlangt, daß der anvisierte Asteroid einen Durchmesser von sieben bis zehn Metern haben muß. Ein erstklassiger Kandidat für diese Bergungsmission ist das NEO 2009BD. Er wurde am 16.01.2009 in einer Entfernung von nur 0.008 AE entdeckt (eine AE ist die durchschnittliche Entfernung der Erde von der Sonne). Seine Bahn ist sehr erdähnlich, mit einer Umlaufzeit von 400 Tagen und er wird Ende 2022 wieder dicht an das Erde-Mond-System herankommen; dann würde der vorgesehene Einfang stattfinden. Das NEO 2009BD scheint ein perfekter Kandidat zu sein – mit einem Zeitfenster, das geeignete Missionsplanungen erlaubt.

Das Problem liegt darin, daß die Größe des NEOs 2009BD ungewiß ist und folglich seine Dichte und Zusammensetzung ebenfalls zweifelhaft sind, doch ersten Abschätzungen zufolge liegt sein Durchmesser wahrscheinlich in dem durch die Mission festgelegten Bereich. Die Unsicherheit kommt daher, daß 2009BD im sichtbaren Licht vermessen wurde; dabei wird reflektiertes Licht gemessen, das sich sowohl aus der Größe des Objekts als auch aus seinem Reflexionsvermögen (Albedo) zusammensetzt. Damit die Missionsplanung der NASA Erfolg hat, muß die Größe von 2009BD direkt gemessen werden – und dies bald, bevor seine zunehmende Entfernung zur Erde solch eine Beobachtung praktisch unmöglich macht.

Die CfA-Astronomen Joe Hora, Howard Smith und Giovanni Fazio haben regelmäßig mit IRAC an Bord des Spitzer-Weltraum-Teleskops die Infrarotemission von erdnahen Objekten gemessen und (mit einigen Annahmen) sowohl Größe wie Dichte dieser Objekte abgeleitet. Sie erhielten zusätzliche Beobachtungszeit zur Untersuchung des NEOs 2009BD und in der Ausgabe #786 des Astrophysical Journal berichten sie und sieben ihrer Kollegen von ihren Schlußfolgerungen. Sie konnten 2009BD auch dann nicht messen, selbst wenn dieses NEO nur sehr geringe Mengen an Licht abgibt, was darauf schließen läßt, daß er sehr klein ist, wahrscheinlich nur etwa 2.9 Meter im Durchmesser und ein Modell deutet darauf hin, daß er den Aufbau eines Schutthaufens hat. Dies ist das kleinste Objekt, über das je mit Hilfe von Spitzer berichtet wurde; ob er noch immer für eine Mission der NASA in Frage kommt, ist jetzt vom Retrieval Mission Team der NASA zu klären.

Literatur:
“Constraining the Physical Properties of Near–Earth Object 2009 BD”
M. Mommert, J. L. Hora, D. E. Trilling, S. R. Chesley, D. Farnocchia, D. Vokrouhlický, M. Mueller, A. W. Harris, H. A. Smith, and G. G. Fazio
The Astrophysical Journal, 786:148 (9pp), 2014 May 10