Das Grollen eines Monsters

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

Aufnahme der Andromeda-Galaxie bei infraroten (rot) und Röntgenwellenlängen (blau). Eine neue Beobachtung der Röntgenemission aus dem Gebiet um das supermassereiche Schwarze Loch im Kern hat flackernde Aktivität entdeckt – das erste Mal, daß solche Prozesse, analog zu denen in der Milchstraße, andernorts gesehen worden sind. ESA Herschel, XMM-Newton

 

Die Andromeda-Galaxie ist die zu unserer Milchstraße nächstgelegene große Galaxie. Wie die Milchstraße hat sie eine Spiralstruktur mit einem massereichen Schwarzen Loch in ihrem Kern. Jedoch ist ihr Schwarzes Loch im Gegensatz zu dem der Milchstraße von beachtlicher Größe – ungefähr 30-mal größer, beziehungsweise fast 100 Millionen Sonnenmassen. Das Schwarze Loch in Andromeda ist zudem ungewöhnlich ruhig: ähnlich massereiche Schwarze Löcher in ferneren Galaxien sind oft von Akkretionsscheiben umgeben, die hell im Röntgenlicht strahlen und mächtige Jets aus geladenen Teilchen hervorbringen. Andromeda besitzt beides nicht. Astronomen möchten verstehen, weshalb der Kern von Andromeda so ruhig ist; zum einen, um das Verhalten ihres Schwarzen Lochs zu modellieren und zum anderen auch, um sich hineinzudenken, weshalb entfernte galaktische Kerne so anders sind; hat die Milchstraße einst eine ähnliche Phase durchlaufen?

Das Schwarze Loch der Milchstraße ist im Vergleich mit diesen anderen Galaxien ebenfalls inaktiv, aber es ist insofern seltsam, daß es gelegentlich im Röntgen-, Infrarot- und Radiolicht aufflackert und manchmal über einen kurzen Zeitraum seine Helligkeit um einen Faktor 10 oder 100 erhöht. Es ist vermutet worden, daß vielleicht die Umgebung des Schwarzen Lochs der Milchstraße sich in besonderer Weise von der Umgebung in anderen Galaxien unterscheidet, vielleicht irgendwie mit der größeren Frage nach der extrem hohen Emission in fernen Systemen verbunden ist.

Die CfA-Astronomen Zhiyuan Li, Michael Garcia, Bill Forman, Christine Jones, Ralph Kraft, Dharam Lal und Steve Murray sowie Daniel Wang von der University of Massachusetts prüften sehr genau die in über einem Jahrzehnt aufgelaufenen Beobachtungen des Chandra-Röntgen-Observatoriums an Andromeda nach und erhielten ein bemerkenswertes Ergebnis. Sie entdeckten, daß, obgleich der Kern von 1999 bis 2005 passiv war, er 2006 seine Röntgenleuchtkraft um das 40-fache steigerte und bis heute hell und veränderlich bleibt. Die Astronomen schlagen für die Zukunft koordinierte Röntgen- und Radiountersuchungen vor. Die Ergebnisse sind wichtig, um zu zeigen, daß das Schwarze Loch der Milchstraße nicht einzigartig ist (zumindest in Bezug auf das Flackern) und liefert einen Schritt hin zu einem besseren Verständnis darüber, was in anderen galaktischen Kernen mit Schwarzen Löchern abläuft.

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