Der Sternhaufen im Orion-Nebel

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

Eine Falschfarben-Infrarotaufnahme vom Orion-Nebel und dessen Cluster junger Sterne, aufgenommen mit der IRAC-Kamera an Bord des Spitzer-Weltraum-Teleskops. NASA / JPL-Caltech

Die meisten Sterne entstehen in Haufen, manchmal zehntausend oder mehr in einem Volumen, das kleiner als einige Lichtjahre im Radius ist. (Der zu unserer Sonne nächstgelegene Stern ist zum Vergleich etwa vier Lichtjahre entfernt.) Astronomen wissen, daß sich Sterne bilden, wenn die Schwerkraft das Gas und den Staub in einer interstellaren Wolke zusammenfallen läßt, bis das Material Klumpen bildet, die dicht genug sind, um Sterne zu werden. Doch wie dies genau abläuft, ist unklar. In einem Haufen, in dem jedes Umfeld, in dem sich weitere Sterne bilden können, durch die Entstehung benachbarter Sterne beeinflußt wird, ist die Situation noch viel komplizierter. Wenn Haufen altern, schwellen sie an und die gravitativen Wechselwirkungen der Sterne untereinander reißen den Cluster auseinander. Letztlich verschwinden, wie im Fall der Sonne, Hinweise auf die frühere Geburtsstätte.

Der zur Erde am nächsten gelegene, dicht besetzte junge Sternhaufen mit einigen massereichen Sternen ist der Orion-Nebelcluster (ONC). Ältere Studien haben das mittlere Alter seiner Sterne auf eine Million Jahre geschätzt, jung genug, um Information über die ursprüngliche Bedingung von Gas und Staub zu bewahren, als die Sterne sich zu bilden begannen. Dies macht den ONC daher zu einem ausgezeichneten Ort zum Studium der Anfangsbedingungen von Sternhaufen. Mit dem Hectochelle Multiobjekt-Spektrometer am 6.5-Meter MMT-Teleskop in Arizona haben fünf Forscher 1215 Sterne im ONC untersucht. Die Spektren ermöglichten es den Astronomen, das Alter und die Massen der Sterne ebenso wie deren Bewegungen abzuschätzen.

In der Aprilausgabe des Astrophysical Journal berichtet die Gruppe, daß sie im Allgemeinen das Alter bestätigen kann, welches für diese Region abgeschätzt wird. Aber sie weisen auf einen beträchtlichen Widerspruch im formellen Alter der Sterne mit mittlerer Masse in dem Haufen hin. Dieser Widerspruch legt nahe, daß diese Population älter als die anderen Sterne ist (und somit folgt, daß auf irgend eine Art die Sterne mittlerer Größe die ersten waren, die sich bildeten); die Gruppe vermutet, daß Akkretion auf diese Sterne erklären könnte, weshalb sie ein älteres Aussehen zeigen als es ihrem tatsächlichen Alter entspricht. Auch beschreiben die Wissenschaftler die einheitliche Rotationsbewegung (oder vielleicht Scherbewegung) der Sterne im ONC, finden ein Filament aus Sternen, das immer noch in Richtung des Haufenzentrums fallen könnte und identifizieren Binärsysteme. Darüber hinaus beschreiben sie Sterne mit ungewöhnlich hohen Geschwindigkeiten (einige davon könnten Ausreißer sein), Sterne, die noch immer Material aufsammeln (akkretieren), Sterne mit zirkumstellaren Scheiben und nicht zuletzt eine Reihe von Sternen, die wahrscheinlich überhaupt nicht mit dem ONC in Verbindung stehen, sondern nur zufällig auf unserer Sichtlinie liegen. Die Ergebnisse verbessern beträchtlich unser Verständnis von dem genauen Aufbau des ONC und damit über junge stellare Haufen im Allgemeinen.

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