Der Weiße Zwerg mit der geringsten Masse

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

Dieses Bild des Sloan Digital Sky Survey zeigt den Weißen Zwerg mit der geringsten bekannten Masse in der Galaxis (mit einem Pfeil markiert). SDSS J091709.55+463821.8 liegt ungefähr 7.400 Lichtjahre entfernt und umkreist einen nah gelegenen, aber unsichtbaren Begleiter. Dieses Bild ist pro Kante etwa 4 Bogenminuten groß und zeigt einen Himmelsausschnitt, der 1/40 des Voll-monds entspricht. SDSS Kollaboration

Wenn ein Stern wie unsere Sonne sehr alt wird, in etwa sieben Milliarden Jahren, wird er nicht länger in der Lage sein, seinen Kernbrennstoff zu verbrennen. Da nur ungefähr die Hälfte seiner Masse verbleibt, wird er auf einen Bruchteil seines Radius schrumpfen und zum Weißen Zwerg werden. Weiße Zwerge sind häufig und der bekannteste ist der Begleiter von Sirius, dem hellsten Stern am Himmel. Aber obwohl sie häufig sind und das Endstadium unserer eigenen Sonne ver-körpern, verstehen Astronomen bis heute nicht die ganze Bandbreite an Eigenschaften oder die Kenngrößen, die bestimmen, was sie werden. Ein Grund dafür ist, daß viele Weiße Zwerge, wie der Begleiter des Sirius, in Doppelsternsystemen lokalisiert sind, die vermutlich die Einzelheiten ihres Alterns beeinflussen.

SAO-Astronom Warren Brown hat mit drei Kollegen in dieser Woche bekannt gegeben, daß sie den Weißen Zwerg mit der zur Zeit geringsten bekannten Masse entdeckt haben: ein Heliumball von der Größe des Saturn, mit nur etwa ein Fünftel der Sonnenmasse. Das neugefundene Objekt liegt ungefähr 7.400 Lichtjahre von der Erde entfernt nahe der Grenze zwischen den Sternbilder Luchs und Große Bärin. Obwohl bezüglich der Masse klein, ist er in den Abmessungen neunmal größer als ein typischer Weißer Zwerg.

Mit dem MMT-Teleskop am Fred L. Whipple Observatorium in Arizona durchmusterten die Astronomen zweiundvierzig Kandidaten massearmer Weißer Zwerge. Eine sorgfältige Analyse ihrer Daten führte die Gruppe zu einem Kandidaten, der zurzeit als der masseärmste bekannte Weiße Zwerg gelten kann.

Die Wissenschaftler sagten auch den Grund voraus, weshalb dieser Weiße Zwerg eine so geringe Masse besitzt: er hat einen unsichtbaren Begleiter (vermutlich einen weiteren Weißen Zwerg), der viel Material abgezogen hat. Schlußendlich maß das Team ein verräterisches Wackeln des Weißen Zwergs, das zeigte, daß die Vorhersage richtig war. Die Ergebnisse werfen nicht nur ein Licht auf die betagte Gesellschaft, zu der unsere Sonne eines Tages gehören wird, sie helfen auch einige weitere astronomische Phänomene, wie etwa Pulsare, zu erklären; diese Objekte scheinen ebenfalls Weiße Zwerge geringer Masse als Begleiter zu haben.

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