Ein Haufen aus jungen Sternen

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

Ein aus infrarotem Licht zusammengesetztes Falschfarbenbild des massereichen jungen Sternhaufens RCW 38. Die Achsen bezeichnen die Position des Bildes am Himmel und der eingefügte Balken zeigt eine Länge von 0.33 Lichtjahren bei der angenommenen Entfernung des Haufens an (zum Vergleich: der zu unserer Sonne nächstgelegene Stern ist etwa 4 Lichtjahre entfernt). Astronomen, die diesen Sternhaufen untersucht haben, konnten rund 317 junge Sterne und ihre Umgebung einordnen. DeRose et al. und European Southern Observatory

 

Irgendwo in unserer Milchstraße entsteht nach den derzeitigen Schätzungen durchschnittlich ein neuer Stern pro Jahr. Die stellaren Geburtsstätten sind in gewaltigen Wolken aus molekularem Gas und Staub überall in der Galaxis zu finden, aber oft durch dichten Staub vor der optischen Ansicht verdeckt. In jedem dieser produktiven Regionen wird die vielfache Bildung von Sternen vermutet, wobei die neu entstandenen Sterne zusammen in einem dichten Haufen gemeinsam mit Hunderten von Geschwistern auftreten; es gibt aber nur wenige Untersuchungen über sehr junge Haufen oder ihrer Eigenschaften. Allerdings sind die Folgen beträchtlich. Die Sonne zum Beispiel kann sich auch in einem Haufen gebildet haben, der sich später auflöste. Ultraviolettes Licht kann Staub verdampfen, während massereiche, heiße Sterne, die solches Licht aussenden, eine Rolle beim Verzögern der Planetenentstehung gespielt haben können, sollten sie sich in der Nähe der jungen Sonne befunden haben; ebenso könnte, wenn eine nahe gelegener, massereicher Stern als Supernova während der Jugendzeit der Sonne explodierte, dieses Ereignis die großen Mengen an radioaktiven Elementen erklären, die im Sonnensystem gefunden wurden.

Die riesige stellare Kinderstube namens RCW 38 ist etwa 6.000 Lichtjahre entfernt und eine von nur zwei ziemlich nahgelegenen gigantischen Haufen mit über 1.000 Sternen. Die andere ist der Orion-Nebel, der 3.5-mal näher liegt, dadurch viel leichter zu untersuchen ist und bislang ein singuläres Beispiel darstellt. Sieben Astronomen untersuchten mit hochaufgelösten Aufnahmen den Cluster RCW 38 bei nahen Infrarot-Wellenlängen, bei denen die Trübung durch den Staub nicht so einschneidend ist. Sie arbeiteten am europäischen 8.2-Meter-Teleskop in Chile, das eine „adaptive Optik“ besitzt, ein System, welches die atmosphärischen Verzerrungen korrigiert und das zum Teil die größere Entfernung von RCW 38 im Vergleich zu Orion kompensiert.

Die Wissenschaftler haben 317 Sterne in RCW 38 bei drei infraroten Wellenlängen vermessen. Etwa 30% von ihnen waren auffallend rot; dies legt die Anwesenheit von zirkumstellaren, wenn nicht sogar protoplanetaren Scheiben nahe. Sie fanden auch Anzeichen von durch Schockwellen erschüttertes Gas und einige sogar noch jüngere Protosterne, alles Eigenheiten, die mit der Idee von RCW 38 als einer aktiven stellaren Geburtsstätte übereinstimmen. Die Ergebnisse sind ein bedeutender Fortschritt, da zum ersten Mal ein massereicher Haufen neben Orion beschrieben wird, der so genau untersucht worden ist. Die Resultate bieten die Chance festzustellen, welche Eigenschaften eines Haufens für alle Cluster charakteristisch und welche (z. Bsp. die räumliche Verteilung der Sterne, die Zahl verschiedener Arten von Sternen oder die Anzahl an Sternen mit protostellaren Scheiben) nur nebensächlich sind.

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