Ein System aus Sechs

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

Eine künstlerische Darstellung des Systems Kepler-11 mit sechs Planeten. NASA / Kepler

 

Für ungefähr 435 Sterne ist bisher bestätigt worden, daß sie von Planeten umkreist werden. Bis vor kurzem war nur von etwa 50 dieser Sterne bekannt, daß sie von mehr als einem Planeten umkreist werden. Der Satellit Kepler, entworfen, um mit Hilfe der Transittechnik nach extrasolaren Planeten zu suchen, hat all dies jedoch verändert. In der vergangenen Woche haben Astronomen die Entdeckung eines Systems mit sechs transitierenden Planeten um einen sonnenähnlichen Stern bekannt gegeben. Der bisherige Rekordhalter transitierender Planeten war ein Stern mit drei Himmelskörpern.

Die Wissenschaftler berichten in der Zeitschrift Nature, daß das neue Sternensystem, Kepler-11, in vielerlei Hinsicht bedeutsam ist. Erstens: fünf der Planeten stehen sehr dicht am Stern – näher als Merkur an unserer Sonne – und der sechste Planet ist nicht viel weiter entfernt. Dies ist eine ungewöhnliche und kompakte Gruppierung, deren Herkunft nach wie vor untersucht wird, um mehr über die Mechanismen bei der Entstehung planetarer Systeme zu lernen. Zweitens zeigt die Entdeckung, daß physikalische Prozesse in der Tat Systeme aus mehreren Planeten aufbauen können. Da es viel wahrscheinlicher ist, einen Transit von der Erde aus zu entdecken, wenn der Planet dicht um seinen Stern kreist (und so einen größeren Winkel schneidet), läßt dieses bislang einzigartige Ergebnis aber nicht den Schluß zu, weitere Mehrfach-Planetensysteme seien selten. Andere Planetengruppen mit größeren Umlaufbahnen sind nur mit geringerer Wahrscheinlichkeit mittels der Transittechnik zu entdecken.

Das dritte wichtige Merkmal der Kepler-11-Gruppe ist die Größe der Planeten. Vier von ihnen sind als Supererden (zwischen etwa 2 bis 10 Erdmassen) ermittelt worden, einer ist geringfügig schwerer und der sechste Planet hat eine bislang unklare Masse. Für die fünf Planeten, deren Massen bestimmt wurden, sind die Radien groß genug, um erheblich weniger dicht als die Erde zu sein; womöglich sind sie zu einem bedeutenden Teil aus Eis (H20, CO, CO2, CH4 usw.) oder gasförmigen Hüllen anstelle von Gesteinsmaterial zusammengesetzt. Die neuen Ergebnisse markieren den Beginn eines aufregenden, neuen Kapitels in der Untersuchung komplexer extrasolarer Planetensysteme.

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