Planeten einfangen

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

Zeichnungen von Pluto und seinem Mond Charon. Die Massen der beiden Objekte sind sich so ähnlich (nur um einen Faktor 10 verschieden), daß einige Astronomen die Auffassung vertreten, es handele sich um ein Binärsystem. Neue Simulationen sagen voraus, daß es vagabundierende Doppelplaneten im Weltraum geben könnte. NASA / JPL

Die Entdeckung von Planeten um andere Sterne führte zu der Erkenntnis, daß fremde Sonnensysteme oft ungewöhnliche Eigenschaften besitzen – zumindest wirken sie für uns seltsam, da sie so befremdlich waren. Beispielsweise haben viele Systeme Riesenplaneten, die näher an ihrem Stern liegen als Merkur an der Sonne, während andere das Gegenteil zeigen – Riesenplaneten, die mehr als das 10-fache weiter von ihrem Stern entfernt sind als Jupiter von unserer Sonne. Astronomen meinen verstanden zu haben, wie Planeten dicht an ihrem Stern enden könnten: sie driften allmählich von üblicheren Umlaufbahnen nach innen. Aber wie kommen Planeten soweit nach außen?

Eine neue theoretische Arbeit des CfA-Astronomen Hagai B. Perets (CfA) und seines Kollegen M.B.N. Kouwenhoven (Kavli Institute for Astronomy and Astrophysics an der Universität von Peking) liefert eine mögliche Antwort: die entfernten Planeten sind nicht Teil des ursprünglichen Sternsystems – sie wurden durch den Stern eingefangen. Astronomen wissen, daß es viele sogenannte „vagabundierende Planeten“ im Weltraum gibt – Planeten, die durch eine zufällige Begegnung mit einem anderen Planeten aus ihrem ursprünglichen Sternsystem herausgeschleudert wurden. Einige dieser heimatlosen Planeten sind kürzlich entdeckt worden.

Die Wissenschaftler berechneten, daß es für einen Stern möglich wäre, einen dieser „Waisen“ einzufangen, falls die Bedingungen richtig sind: namentlich wenn Stern und Planet sich zufällig mit einem nur geringen Geschwindigkeitsunterschied begegnen und wenn keine anderen massereichen Körper in der Nachbarschaft vorhanden sind, die die „Adoption“ stören. Sie ließen eine Reihe von Computersimulationen laufen, um all diese und weitere Möglichkeiten zu testen und sie fanden nicht nur, daß solch ein Einfang möglich ist, sondern daß ein Stern sogar mehrere heimatlose Planeten einfangen könnte. Sie entdeckten sogar, daß manchmal zwei frei driftende Planeten sich gegenseitig einfangen und ein Binärsystem bilden könnten. Keines dieser Doppelsysteme ist bisher entdeckt worden, obschon einige Astronomen vermuten, daß Pluto und sein Mond Charon, da sie relativ ähnliche Massen besitzen, ein Binärsystem bilden, obgleich nicht unbedingt eines, das eingefangen wurde. Die neuen Ergebnisse scheinen eine vernünftige, wenn auch exotische Erklärung für einige der komplexen planetaren Anordnungen, die man entdeckt hat, anzubieten und sie erinnern uns daran, daß die Natur voller Überraschungen ist.

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