Rätsel im Orion-Nebel

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

Ein zusammengesetztes Falschfarbenbild der Zentralregion des Orion-Nebels, gesehen mit dem Hubble-Weltraum-Teleskop und dem Chandra-Röntgen-Observatorium (blaue und orangene Punkte). Astronomen untersuchten mit Radioteleskopen die Natur eines Aufsehen erregenden energiereichen jungen Sterns, der tief innerhalb des Nebels verborgen ist. X-ray: NASA / CXC / Penn State / E. Feigelson & K. Getman et al. Optical: NASA / ESA / STScI / M. Robberto et al.

 

Der Orion-Nebel, eines der berühmtesten Sehenswürdigkeiten am Nachthimmel, birgt mehrere Cluster an heißen jungen Sternen. Genau genommen stammt das helle Leuchten des Nebels von Gas und Staub, die von der intensiven ultravioletten Strahlung dieser Clustersterne angestrahlt werden. Die Entfernung des Nebels beträgt etwa 1.300 Lichtjahre, womit er zur nächstgelegenen Geburtsstätte für massereiche Sterne und eine der am besten untersuchten Regionen dieser Art wird. Doch ungeachtet seiner Berühmtheit, Helligkeit und Nähe verstehen ihn die Astronomen noch immer nicht besonders gut. Beispielsweise birgt er spektakuläre Materialausflüsse, die von einem einzelnen Stern oder vielleicht von einem Sternhaufen angetrieben werden – Astronomen sind sich da nicht sicher. Der Grund für diese Unkenntnis liegt zum einem Teil daran, daß der Nebel mit Sternen regelrecht vollgestopft ist und zum anderen Teil, daß sein Staub viele Gebiete vor einer optischen Ansicht verbirgt.

Das hellste Objekt im Nebel leuchtet mit dem Licht von 100.000 Sonnen, doch im vergangenen Jahrzehnt entdeckten Astronomen, daß diese Quelle wiederum aus mehreren kleineren Quellen bestand. Wie sich gezeigt hat, ist eines dieser Objekte, eine starke Radioquelle mit dem Namen „Quelle I“, der beherrschende junge Stern in dieser Region und noch dazu ein rätselhafter. Seine Bahnbewegungen legen nahe, daß er vor nur wenigen Hundert Jahren aus einem anderen Sternsystem herausgeschleudert wurde; weitere Hinweise deuten darauf hin, daß er von natürlichen Masern (Analoga der Laser im Radiowellenbereich) umgeben ist, die in einer zirkumstellaren Materialscheibe liegen. Solche Maser zeigen gewöhnlich dichtes Material um einen jungen Stern an.

Ein sechsköpfiges Astronomenteam hat Radioaufnahmen sehr hoher Winkelauflösung herangezogen, um die Aktivität rund um Quelle I eingehend zu untersuchen. Durch die spektroskopische Untersuchung verschiedener Isotope des molekularen Gases in der Region konnten sie erstmalig bestätigen, daß Maser tatsächlich vorhanden sind. Ferner können sie einen Materiestrom einer komplexen bipolaren Struktur zuordnen und diesen zu seiner Herkunft in einer Region zurückverfolgen, die sehr dicht bis an Quelle I heranreicht und annähernd von der Größe unseres Sonnensystems ist. Einige Berechnungen bleiben noch zu vervollständigen, aber die bisherigen Resultate können viel dazu beitragen sich darüber klar zu werden, was zumindest in diesem Bereich des Orion-Nebels vorgeht und liefern Hinweise über vergleichbare Aktivität andernorts in jungen Sternhaufen.

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