Trans-Neptun-Objekte

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

Die Planetenfamilie der Sonne, einschließlich der Erde, und auch andere Begleiter wie Kometen, entstanden alle aus einer Materiescheibe, die in den frühen Tagen des Sonnensystems existierte. Überreste dieser Scheibe können heute noch in den äußeren Bereichen des Sonnensystems gefunden werden, insbesondere unter den sogenannten „Trans-Neptun-Objekten“ (TNOs) – Körper, die die Sonne (im Durchschnitt) in größerer Entfernung umkreisen als Neptun, der selbst 30-mal weiter von der Sonne entfernt ist wie die Erde (also dreißig Astronomische Einheiten, AE).

Das erste, im Jahr 1930 entdeckte TNO war Pluto. 1992 wurde das zweite TNO (nicht mitgezählt der Plutomond Charon) gefunden, genannt „1992 QB1“. Seit 1992 sind näherungsweise weitere 1.000 TNOs bis in eine Entfernung von ungefähr 60 AE gefunden worden. Der größte von diesen ist Eris. Da Eris größer als Pluto war, hat er mitgeholfen, jene Diskussion auszulösen, die den Status von Pluto als Planet änderte. TNOs senden kein optisches Licht aus, aber im reflektierten Sonnenlicht sind sie zu sehen. Da sie klein und weit weg sind, ist es schwer, sie in einer größeren Entfernung als bis etwa 60 AE zu sehen und so sind nur wenige bekannt. Jedoch vermuten einige Astronomen, daß in dieser oder noch größerer Entfernung nicht viele TNOs zu finden sind. Sie vermuten, daß ein anderer Stern in den frühen Tagen des Sonnensystems dicht an der Sonne vorbeigezogen sein kann und dabei geholfen hat, ein Trommelfeuer an Kometen auszulösen, die schließlich in Erdnähe vorüberzogen. Wenn dem so ist, könnte diese Begegnung außerdem den Umfang der Materiescheibe begrenzt haben und damit könnten nicht viele TNOs in größerer Entfernung vorkommen. Eine Suche nach noch weiter entfernten TNOs, oder andere Anhaltspunkte, könnte dieses Rätsel um das frühe Sonnensystem lösen helfen. Ein neueres Ergebnis vom Hubble-Weltraum-Teleskop läßt allerdings vermuten, daß es sehr wenige weiter entfernte TNOs gibt; unglücklicherweise war dieses Ergebnis von begrenzter Aussagekraft.

CfA-Astronom Matt Holman und sein Student Cesar Fuentes nutzten hochempfindliche optische Aufnahmen, um in einem relativ großen Gebiet am Himmel nach TNOs zu suchen. Sie konnten Objekte aufspüren, die nahezu zehntausend Mal lichtschwächer als Pluto waren. Ihre Erhebung ist in Bezug auf Empfindlichkeit und Umfang die erste, um aussagekräftige allgemeine Schlußfolgerungen ziehen zu können. Holman und Fuentes fanden 82 neue TNOs und gestalteten deren Eigenschaften nach, um eindeutige Belege für einen Rückgang an TNOs in einer Entfernung von etwa 60 AE von der Sonne, wie zuvor vermutet, zu liefern. Zudem finden sie, daß es dort viel weniger kleine Objekte gibt (100 Kilometer oder weniger im Durchmesser), als erwartet werden würde, wenn es solch einen Rückgang nicht gäbe. Diese Resultate helfen nicht nur, den wachsenden Katalog an TNOs zu ergänzen, sie helfen Astronomen, das kosmische Umfeld des frühen Sonnensystems zusammenzusetzen, als die Erde noch in ihren Anfängen steckte.

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