Unbestätigte erdnahe Objekte (Originalartikel vom 15.06.2018)

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

(Originalartikel unter www.cfa.harvard.edu)

Eine Darstellung der Umlaufbahnen vieler bekannter erdnaher Objekte. Astronomen haben veranschlagt, daß ungefähr 18 % der gemeldeten erdnahen Objekte nicht durch Beobachtungen bestätigt werden konnten. NASA

 

Erdnahe Objekte (Near Earth Objects = NEOs) sind kleine Körper des Sonnensystems, deren Umlaufbahnen sie manchmal nah an die Erde heranbringen und mit denen möglicherweise ein Zusammenstoß droht. NEOs liefern Hinweise auf die Zusammensetzung, Dynamik und den im Sonnensystem herrschenden Umweltbedingungen und der Geschichte unseres Planetensystems. Die meisten Meteorite stammen von NEOs, die hierdurch eine unserer wichtigsten Quellen des Wissens über die Entwicklung des Sonnensystems sind. Da einige von ihnen mit Raumsonden einfacher zu erreichen sind als der Mond oder Planeten, sind NEOs mögliche Ziele für NASA-Missionen. Die Gesamtzahl der bekannten NEOs liegt über 18.000. Die Entdeckungsrate ist in letzter Zeit rasant gestiegen, zum Teil von der Aufforderung des Kongresses aus dem Jahr 1998 getrieben, 90% der NEOs zu erkennen, die größer als 1 km sind (2005 hat der Kongress die Gefahr erkannt, die sogar kleinere NEOs darstellen, und hat den Auftrag auf Größen bis herab zu 140 Meter erweitert).

Die Bedeutung der NEOs für Wissenschaft und Sicherheit hat die Notwendigkeit einer genauen Statistik der NEO-Population unterstrichen – aber es gibt ein Problem. Der Fortschritt bei der Entdeckung von NEOs erfordert eine Unterscheidung zwischen bekannten und unbekannten Zielen und im Anschluß die Messung der Umlaufbahnen zuvor unbekannter Ziele. Der Katalog an Bahnelementen bekannter NEOs, die Verteilung, wie häufig sie in welcher Größe vorkommen ebenso wie die von Teleskopen abgesuchte Himmelsregion dienen alle als Eingabe zur Ableitung vorurteilsfreier Populationsmodelle. Zwar sind viele NEOs entdeckt und gemeldet worden, doch Folgebeobachtungen sind nicht durchgeführt worden.

Die CfA-Astronomen Peter Vereš, Matthew Payne, Matthew Holman, Gareth Williams, Sonia Keys und Ian Boardman (alle dem Minor Planet Center am CfA angeschlossen) und ein Kollege, Davide Farnocchia, haben die NEO-Meldungen von 2013 bis 2016 untersucht; in diesen wurden über 17.000 Objekte (einschließlich Kometen) als vermutliche Kandidaten bekannt gegeben. Nach dem Durcharbeiten der Liste von Kandidaten, die dem Minor Planet Center eingereicht wurde und dem Einsatz statistischer Werkzeuge kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, daß ungefähr 18% aller NEO-Kandidaten unbestätigt bleiben. Sie verweisen für diesen Umstand auf mehrere Gründe, darunter Verspätungen bei der Meldung der Entdeckung; das Objekt ist in Bewegung und die Wissenschaftler stellten fest, daß eine um zwei bis zehn Stunden verspätete erste Meldung in der Verdopplung der Zahl unbestätigter Entdeckungen endet (die Verspätung macht es für Folgebeobachtungen schwieriger, die sich bewegende Quelle aufzuspüren). Ein weiteres Problem liegt darin, daß unbestätigte NEOs tendenziell viel matter und schwerer zu verfolgen sind. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, daß die Zahl der unbestätigten NEO-Kandidaten groß sein könnte, in die Tausende gehend, und betonen die Notwendigkeit, bei Durchmusterungen schnell Mitteilungen über Entdeckungen einzureichen.

Literatur:
„Unconfirmed Near-Earth Objects“
Peter Vereš, Matthew Payne, Matthew Holman, Davide Farnocchia, Gareth Williams, Sonia Keys, and Ian Boardman
The Astronomical Journal Volume 156, Number 1 (2018)

oder

arXiv: 1805.02804v3 [astro-ph.EP] 30 May 2018