Vier neu entdeckte Nachbarn der Milchstraße (Originalartikel vom 28.09.2018)

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Weekly Science Update – Übersetzt von Harald Horneff

(Originalartikel unter www.cfa.harvard.edu)

Mit der Magellan Megacam gewonnenes optisches Bild der Zwerggalaxie Phoenix II. In der Tat sind die lichtschwachen Sterne dieser Galaxie nur schwer gegen die vielen Vordergrundsterne der Milchstraße auszumachen. Eine neue Abhandlung liefert empfindliche neue Beobachtungen und beschränkt sich auf vier der Milchstraße benachbarte Zwerggalaxien. Mutlu-Pakdil et al. 2018

 

Zwerggalaxien sind extrem lichtschwach, sind die kleinsten, am stärksten von Dunkler Materie beherrschten sowie die am niedrigsten chemisch angereicherten Sternsysteme im Universum und sind wichtige Ziele zum Verständnis der Dunklen Materie und der Galaxienbildung. Sie stellen zahlenmäßig die Mehrheit der Galaxien im Universum. Und nicht zuletzt liefern Zwerggalaxien um die Milchstraße herum wesentliche empirische Vorgaben zur Überprüfung von Szenarien zur Entstehung unserer eigenen Galaxis. Gegenwärtig werden ungefähr sechzig Zwerggalaxien der Milchstraße zugeordnet und liegen näher als etwa eine Million Lichtjahre; die Andromeda-Galaxie, unsere nächstgelegene, große benachbarte Spiralgalaxie, befindet sich in zweieinhalb Millionen Lichtjahren Entfernung.

Viele neue Satellitengalaxien der Milchstraße sind in den letzten Jahren entdeckt worden, aber einige hat man durch empfindlichere Abbildungskampagnen infrage gestellt und bei vielen sind die Eigenschaften nur sehr beschränkt bekannt. CfA-Astronom Nelson Caldwell war Mitglied in einem Team, das mit einem der Magellan-Teleskope, dem Clay-Teleskop, und dem Instrument Megacam Bilder von vier nah gelegenen Zwerggalaxien erstellte; dabei konnten nahezu um das sechzehnfach lichtschwächere Untersuchungen als bei vorhergehenden Messungen durchgeführt werden. Die Bilder offenbarten neue Sterne und andere Objekte, einschließlich ausgedehnter Strukturen und ermöglichten es den Astronomen, die wichtigsten Parameter dieser Galaxien zu überarbeiten.

Einer dieser Zwerggalaxien, Sagittarius II, mit einer Gasmasse von nur 1.300 Sonnenmassen, ist insofern ungewöhnlich, daß sie sogar für eine Zwerggalaxie sehr klein ist und stattdessen wegen ihrer Helligkeit als ausgedehntester Kugelsternhaufen betrachtet werden könnte. Eine andere, Reticulum II, ist die länglichste Zwerggalaxie, die man kennt (nahezu acht Mal länger als breit). Eine dritte, Tucana III, scheint mit einem Materiestrom einherzugehen, der in der Milchstraße mündet und Tuc III könnte durch Gezeitenkräfte zerrissen werden. Die empfindlichen, neu gewonnenen Ergebnisse konnten zwar keinerlei Gas in irgendeinem der Objekte nachweisen, aber für den Gasgehalt neue Obergrenzen setzen und werden Astronomen helfen, eine vollständigere Zählung der zur Milchstraßenfamilie gehörenden Galaxien zu erhalten.

Literatur:
„A Deeper Look at the New Milky Way Satellites: Sagittarius II, Reticulum II, Phoenix II, and Tucana III“
Burçi̇n Mutlu-Pakdi̇l, David J. Sand, Jeffrey L. Carlin, Kristine Spekkens, Nelson Caldwell, Denija Crnojević, Allison K. Hughes, Beth Willman, and Dennis Zaritsky
The Astrophysical Journal 863, 1, 2018

oder

arXiv:1804.08627v2 [astro-ph.GA] 19 Jun 2018